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Ein Genosse gab mir die Thesen Lenins über das Problem der Nationalitäten und der Kolonialvölker zu lesen, die die ‘Humanité’ veröffentlicht hatte. In diesem Buch gab es politische Ausdrücke, die ich nur schwer verstand. Indem ich sie aber las und immer wieder las, begriff ich schließlich den Sinn. Lenins Gedanken bewegten mich stark, und ich war begeistert. Ein großes Vertrauen half mir, die Probleme klar zu sehen. Meine Freude war derartig, daß mir manchmal Tränen in die Augen kamen. Allein in meinem Zimmer, rief ich aus, als stünde ich vor einer großen Volksmenge: “Liebe Landsleute, Unterdrückte und Elende! Hier ist, was wir brauchen, hier ist der Weg zu eurer Befreiung!” Von da ab hatte ich ein absolutes Vertrauen in Lenin und die Dritte Internationale.

Vorher habe ich nur zugehört, und jeder schien mir recht zu haben. Ich konnte weder dem einen noch dem anderen unrecht geben. Seit ich jedoch Lenins Thesen gelesen hatte, nahm ich an den Diskussionen leidenschaftlich teil. Trotz meiner ungenügenden Kenntnisse des Französischen, die mir nicht gestatteten, meine Ideen richtig und klar darzulegen, widersetzte ich mich doch mit aller Kraft jenen, die Lenin und die Dritte Internationale ablehnten. Mein einziges Argument bestand darin, daß ich immer wiederholte: “Genossen, wenn ihr den Kolonialismus nicht verdammt, wenn ihr die unterdrückten Völker nicht unterstützt, was ist das dann für eine Revolution, die ihr angeblich wollt?”

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Hồ Chí Minh - Der Weg, der mich zum Leninismus führte